
Schnelldampfer Lahn war der letzte in Schottland gebaute Dampfer des Norddeutschen Lloyd.

Schnelldampfer Deutschland der HAPAG.
Erste Sommertagung auf Einladung der ,,Institution of Naval Architects'' und der ,,Institution of Engineers and Shipbuilders in Scotland''. Für die Überfahrt der deutschen Teilnehmer stellt die Hamburg-Amerika Linie ihren Dampfer Deutschland und für die Rückfahrt der Norddeutsche Lloyd seinen Dampfer Lahn kostenlos zur Verfügung. Auf Antrag des Schiffbauingenieurs und Konstruktionsingenieurs an der Königlichen Technischen Hochschule zu Charlottenburg, M.H. Bauer, wird ein Ausschuss zur Festlegung einheitlicher schiffbautechnischer Bezeichnungen eingerichtet.

Kaiser Wilhelm spricht in der Aula der TH - Berlin-Charlottenburg zu den Mitgliedern der Schiffbautechnischen Gesellschaft 1901. Gemälde von Franz Skarbina (Deutsches Museum München).
Der Kaiser besucht die Hauptversammlung und beteiligt sich intensiv an der Diskussion des Vortages des Geheimen Marinebaurats G. Brinkmann, der über die Entwicklung der Geschützaufstellung an Bord von Linienschiffen berichtet.
Auf dem Podium in hellblauer Uniform, der Großherzog von Oldenburg als Ehrenvorsitzender. Neben ihm links der Vorsitzende der Gesellschaft, Geheimrat Prof. Carl Busley. Weiter links der Präsident des Norddeutschen Lloyd Friedrich Archelis, der technische Direktor des Germanischen Lloyd Friedrich Middendorf, der Reeder Eduard Woermann sowie der Direktor des Stettiner Vulcans Robert Zimmermann. Auf der rechten Seite erkennt man neben dem Großherzog den stellvertretenden Vorsitzenden der Gesellschaft Geheimer Admiralitätsrat Georg Langer, den Chefkonstrukteur der Kaiserlichen Marine Johann Rudloff, sowie den Werftbesitzer Gotthard Sachsenberg und den Geschäftsführer Hugo Seidler. Es wird berichtet, dass der Großherzog wegen einer Erkrankung gar nicht anwesend gewesen ist. Vermutlich hat der Maler das Bild aus Vorlagen angefertigt.
Max Oertz trägt über Segelyachten und ihre moderne Ausführung der Gesellschaft in einem umfangreichen Vortrag mit viel Bildmaterial vor. Der Beitrag zählt bis auf den heutigen Tag zu den Klassikern der Yachtliteratur. Der Höhepunkt des Baues großer Yachten waren die Schoner Germania und Meteor IV und Meteor V, entworfen von Dr.-Ing. E. h. Max Oertz. |
|
Die Sommertagung findet in Düsseldorf statt. Sie wird vom deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm eröffnet. Es wird gemeinsam mit dem Verband der Eisenhüttenleute (VDEh) und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) eine Schiffbau-Material-Kommission gebildet, welche auf die Beseitigung der herrschenden Meinungsverschiedenheiten über die Verwendbarkeit des harten und des weichen Schiffbaumaterials hinarbeiten soll. E. Schümann stellt in einem längeren Vortrag die neue Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau auf der Schleuseninsel in Berlin vor. H. Föttinger berichtet über die Messung der effektiven Maschinenleistung und effektiv Drehmoment.
Die Sommertagung findet in Stockholm statt. Die Deutsche Afrika Linie stellt ihren Dampfer Feldmarschall und der Norddeutsche Lloyd den Dampfer Seydlitz den Teilnehmern kostenlos zur Verfügung. Zusammen mit anderen Vereinigungen wird eine Eingabe an das Kgl. Preußische Ministerium für Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten gerichtet, eine allgemeine öffentliche Technische Bibliothek zu schaffen, die geeignet ist, den allg. Gewerbefleiß zu fördern. Zusammen mit dem Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) wird ein Ausschuss zur Aufstellung von ,,Normalien zur Verwendung von Elektrizität auf Schiffen'' eingerichtet.

Dampfer Feldmaschall der Deutschen -Ost- Afrika Linie im L-Dock der Reiherstieg Werft in Hamburg.
Gründung eines Ausschusses zur ,,Überwachung elektrischer Anlagen auf Schiffen'', zusammen mit dem VDI und VDE. Beratungen mit dem VDI über polizeiliche Vorschriften für Dampfkesselanlagen, da es wiederholt zu schweren Kesselexplosionen gekommen ist. Es wird ein ,,Schiffskesselausschuss'' zusammen mit dem Germanischen Lloyd, Werften und Reedereien, sowie. eine Kommission zur Schaffung einheitlicher, schiffbautechnischer Bezeichnungen, eingesetzt. Als wesentliches Ergebnis der Schiffbaumaterial- Kommission wird die Empfehlung ausgesprochen, dass die Vorschriften für die Abnahme des Materials zum Kriegsschiffbau der Kaiserlichen Marine und die Vorschriften des Germanischen Lloyd getrennt von einander bestehen bleiben sollen. Der Kaiser besucht die Hauptversammlung der STG in der Technischen Hochschule Berlin Charlottenburg H. Föttinger stellt seine Erfindung eines Torsionsindikators der Gesellschaft vor.

Föttingers Torsionsindikator
Der Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg wird Ehrenmitglied der Gesellschaft. Die geplante Sommerreise zur Weltausstellung in St. Louis USA fällt wegen zu geringer Beteiligung aus.
Die Sommertagung findet 1905, aus Anlass der 1904 erfolgten Gründung der Königlichen Technischen Hochschule Danzig, in Danzig statt. Im Rahmen der Tagung findet eine Besichtigung der Schichau Werke in Elbing mit einem ausführlichen Vortrag über ihre Entwicklung statt. Im Rahmen der Facharbeit findet eine ausführliche Diskussion über die Entwicklung der Bauvorschriften des Germanischen Lloyds statt, die auf Anregung des Nautischen Vereins an die Gesellschaft herangetragen wurde. Die Gesellschaft beschließt, eine silberne und eine goldene Medaille zu stiften. Die silberne kann nur Personen zuerkannt werden, die sich durch wichtige Forschungsaufgaben auf dem Gebiet des Schiffbaues oder des Schiffmaschinenbaues verdient gemacht und die Ergebnisse dieser Arbeiten in der Hauptversammlung der Schiffbautechnischen Gesellschaft durch hervorragende Vorträge zur allgemeinen Kenntnis gebracht haben. Die goldene Medaille können nur solche Mitglieder der Schiffbautechnischen Gesellschaft erhalten, welche sich entweder durch eingehende und selbstlose Arbeit um die Schiffbautechnische Gesellschaft besonders verdient gemacht haben oder sich durch wissenschaftliche bzw. praktische Leistungen auf dem Gebiet des Schiffbaues oder Schiffmaschinenbaues ausgezeichnet haben. Diese Satzung ist bis heute im Wesentlichen unverändert gültig. Nur die Genehmigung einer Verleihung durch den Kaiser ist natürlich entfallen. Ab 1916 nannte man die Medaille ,,Denkmünze''. Die Gesellschaft beschließt einen eigenen ,,Stipendienfond'' einzurichten sowie eine gesellschaftseigene Fachbibliothek zu eröffnen. Prof. Laas berichtet über eine Stereophotogrammetrischen Untersuchungen von Meereswellen an Bord des Fünf-Mast- Vollschiffes Preussen. Es handelt sich um den ersten Versuch die Unregelmäßigkeit der Meereswellen zu messen. |
|
Hermann Föttinger erhält anlässlich der Hauptversammlung in der Technischen Hochschule Charlottenburg aus der Hand des Deutschen Kaisers die erste silberne Medaille der Gesellschaft. Anlässlich der silbernen Hochzeit Kaiser Wilhelms II. lässt die Gesellschaft ein silbernes Modell von 26 kg der Kurbrandenburgischen Fregatte Friedrich Wilhelm zu Pferde nach Plänen von Professor Busley anfertigen. Prof. Walter Laas hält einen umfangreichen Vortrag zur Entwicklung und Zukunft der großen Segelschiffe. |
![]() Urkunde der Verleihung der Silbernen Denkmünze der Schiffbautechnischen Gesellschaft an Herrmann Föttinger ![]() Modell der Fregatte Friedrich Wilhelm zu Pferde, im Besitz des Deutschen Museums ![]() Erste an H. Föttinger verliehene silberne Denkmünze |
Ein Antrag aus der Mitgliedschaft auf eine Begrenzung der Sprechzeiten wird abgelehnt, weil man eine Qualitätsminderung befürchtet. In der ,,Institution of Naval Architects'' galt schon seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zwanzig Minuten Sprechzeit und zehn Minuten Diskussion als goldene Regel. Die Sommertagung findet in Mannheim statt, wobei die Gesellschaft ihre Gastgeber der Sommertagung 1903 aus Stockholm eingeladen hat. Die Tagung wird von Prinz Max von Baden eröffnet. Der Nautische Verein fordert die Gesellschaft auf, sich an den Beratungen der Kommission zur ,,Hebung der Lage der Segelschiffahrt'' zu beteiligen. Der Kommission gehören an: Professor Walter Laas von der Technischen Hochschule zu Charlottenburg, Obering. von Bülow, Prokurist des Germanischen Lloyds sowie der Marinemaler Lüder Arenholt aus Kiel. Der Vorstandsrat des Deutschen Museums beschließt ein Vorstandsmitglied der Gesellschaft in den Vorstand des Museums aufzunehmen. Kaiser Wilhelm II. erhält die goldene Medaille der Gesellschaft.
Die Gesellschaft wird Mitglied des ,,Deutschen Schulschiffvereins''. Die Sommertagung findet in Berlin anlässlich der von dem Verein der deutschen Schiffswerften initiierten ,,Deutschen Schiffbau-Ausstellung'' statt. Die Tagung findet unter Anwesenheit des deutschen Kaisers Wilhelm II. und der Kaiserin, des Königs von Schweden Gustav V und des Großherzogs Max von Baden statt. Dr. phil. Franz Hochstetter wird Geschäftsführer der Gesellschaft. Die Kommission zur ,,Hebung der Lage der Segelschiffahrt'' berät verschiedene Fragen zur Verbesserung, Typisierung, Takelung und Motorisierung. |
![]() Amtlicher Führer für die Deutschen Schiffbau-Ausstellung 1908 in Berlin |
Die Gesellschaft stiftet dem Deutschen Museum ein Modell der englischen Fregatte Great Harry aus dem Jahr 1550. Das Jahrbuch umfasst fast 900 Seiten heraus, es enthalt außerordentlich umfangreiche Beiträge der Professoren Stumpf, Föttinger, Gümbel sowie Geheimrat Schwarz und Dr. Gebers. |
![]() Modell der englischen Fregatte Great Harry gestiftet dem Deutschen Museum |
Die Fünfzigjahrfeier der ,,Institution of Naval Architects'' muss kurzfristig wegen des Todes von König Edward VII. ausfallen. Die ,,Deutsche Dampfkessel-Normenkommission'' fasst weitgehende Beschlüsse, nicht zuletzt wegen einer Kesselexplosion auf dem Rheindampfer Gutenberg, bei dem fünf Personen tödlich verletzt werden. Am 14. und 15. März tagen der ,,Deutsche Nautische Verein'' und der ,,Verband Deutscher Seeschiffervereine'', an dem auch die Gesellschaft offiziell teilnimmt. Diese Veranstaltung wird fortan ,,Deutscher Seeschifffahrtstag'' genannt. In Vertretung des Kaisers überreicht der Geheime Oberbaurat P. Hossfeld ein Modell des Linienschiffes Rheinland, welches als drittes Schiff der Nassau-Klasse beim Stettiner Vulcan gebaut worden ist. Föttinger stellt eine neue Lösung des Turbinenproblems durch den hydrodynamischen Transformator, der bis heute in unterschiedlichster Art in der Technik noch Verwendung findet, vor. |
![]() Modell des Linienschiffes Rheinland im Deutschen Museum ![]() 500 PS-Versuchstransformator I an Bord des Versuchsschiffes Föttinger-Transformator |
Glanzvolle Fünfzigjahrfeier der ,,Institution of Naval Architects'', zu der der Deutsche Kaiser ein Glückwunschtelegramm als langjähriges Ehrenmitglied schickt. Eine größere Delegation der Gesellschaft besucht die Feier in London, auf der Professor Busley eine Bronzestatue als ,,Token of Esteem'' überreicht. In der Dankrede führt der Geheime Oberbaurat Hermann Hüllmann u. a. aus: ,,Wir vergessen nicht, dass in Wirklichkeit England auch unser Lehrmeister gewesen ist ... ''. Die Gesellschaft wirkt aktiv an den Arbeiten des '' Deutschen Ausschusses für Technisches Schulwesen'' mit. Ziel dieses Ausschusses ist es, das Interesse für die Technik in breiten Bevölkerungsschichten zu wecken. |
![]() Zur 50. Jahrfeier der Institution of Naval Architects von der STG gestifteter ,,Token of Esteem'' |
Die Sommertagung wird nach längerer Pause in Kiel abgehalten. Unter Leitung des Inspekteurs des Torpedowesens Konteradmiral Lans können die Tagungsteilnehmer an Torpedobootsmanövern teilnehmen. Herrmann Frahm präsentiert der Gesellschaft einen neuartigen Schlingerdämpfungstank zur Abdämpfung von Schiffsrollbewegungen und ihre erfolgreiche Anwendung in der Praxis. Der spätere Prof. F. Horn liefert eine Theorie der Frahmschen Schlingertanks.

Schnars-Alquist malte für Herrmann Frahm einen Dampfer auf hoher See mit eingeschalteten Frahmschen Schlingertanks im Hintergrund und einen Dampfer ohne solche Tanks in Funktion im Vordergrund.

Ansteckplakette der STG für Neumitglieder des Jahres 1912
Kaiser Wilhelm besucht die Hauptversammlung und beteiligt sich an der Diskussion. Rudolf Diesel berichtet auf Wunsch von Geheimrat Busley erstmalig ausführlich über die Entstehung des Dieselmotors. Diesels Ausführungen werden kritisch diskutiert.


Rudolf Diesel und sein erstes Patent
Die Gesellschaft beteiligt sich an den zum Gedächtnis von Lord Kelvin (William Thomson) in der Westminster-Abtei in London von verschiedenen englischen und amerikanischen technischen Gesellschaften gestifteten Glasfenstern. Anlässlich des 25jährigen Regierungsjubiläums des Deutschen Kaisers Wilhelm II. wird von der Gesellschaft, gemeinsam mit dem Kaiserlichen Yachtclub und anderen Einrichtungen eine Jubiläumsstiftung errichtet. Professor Busley erhält die Goldene Denkmünze der Gesellschaft. Geheimrat Prof. Dr.-Ing. E.h. Carl Busley erhält die goldene Denkmünze der Gesellschaft. |
![]() Glasfenster zu Ehren von Lord Kelvin in der Westminster-Abtei |
Die Sommertagung findet in Stuttgart und Friedrichshafen unter Beteiligung des Königs von Württemberg. Grafen von Zeppelin und der später berühmte Flugzeugkonstrukteurs Prof. Claude Dornier halten einen Vortrag über den Bau von Zeppelin-Luftschiffen. Letzterer beschreibt in einem besonderen Beitrag die Kenntnisse zur Leistung, Bewertung und Entwicklungsmöglichkeiten starrer Luftschiffe insbesondere Zeppelinscher Bauart. Durch Besichtigungen und Rundflügen mit dem Luftschiff Viktoria Luise wird auf die Luftschiffahrt in eindrucksvoller Weise hingewiesen. Prof. Richard Baumann, bekannt geworden in der Metallographie mit dem Schwefelnachweis im Stahl durch den sog. Baumann-Abdruck, liefert anlässlich der Sommertagung in Stuttgart einen Beitrag zum Verhalten von Einsatzmaterialien, d. h. gehärteten Eisenwerkstoffen. Paul Knorr, Oberlehrer der königlichen Schiffbau und Maschinenbauschule in Kiel hält einen umfangreichen Vortrag Fischdampfer und Hochseefischerei. Der Vortrag beschreibt sehr genau den Stand der Technik nicht nur in Deutschland, sondern auch in England, Frankreich und Holland. Prof. Dr.-Ing. Ludwig Gümbel erhält die silberne Medaille. Im Dezember 1914 beschließt die ,,Institution of Naval Architects'', die Mitgliedschaften derjenigen Mitglieder aus Nationen, mit denen England im Kriege liegt, ruhen zu lassen. Dieser Beschluss richtet sich nicht gegen die einzelnen Personen, sondern soll verhindern, dass technisch-wissenschaftliche Informationen via private Mitgliedschaften an die gegnerische Seite gelangen können. |
![]() Ferdinand Graf von Zeppelin Dipl.-Ing. Claude Dornier![]() Prof. Dr.-Ing. Ludwig Gümbel |
Die Gesellschaft beschließt, sich in gleicher Weise wie die ,,Institution of Naval Architects'' im Jahre 1914 zu verhalten. Im Gegensatz zur englischen Institution nimmt die Gesellschaft diesen Beschluss aber nicht in die Satzung auf. Zahlreiche Mitglieder zeigen ihre Verbundenheit mit der Gesellschaft durch Stiftung von größeren Geldbeträgen, damit diese sog. Kriegsanleihen zeichnen kann. Weiterhin unterstützt die Gesellschaft materiell Hinterbliebene von gefallenen Marineangehörigen.
Prof. Carl Pagel, technischer Direktor des Germanischen Lloyd, hält einen Vortrag über die Schottvorschriften des internationalen Vertrages zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (1914). Die darin definierte zulässige Raumlänge als das Ergebnis aus der Flutbaren Länge, korrigiert durch die Flutbarkeit (Permeabilität) und den Abteilungsfaktor, der abweichende Schiffsformen und Verwendungszweck (Passagierschiff oder kombinierte Fracht und Passagierschiffe) berücksichtigt. Damit folgt man international weitestgehend den vom Germanischen Lloyd im Auftrag der Seeberufsgenossenschaft erarbeiteten nationalen Schottvorschriften.
Karl Schaffran referiert über die damals neuartigen Wasserflugzeuge und deren hydrodynamischen Probleme beim Landen und Starten.
Die Gesellschaft beschließt die Verleihung der Goldenen Denkmünze an den Geheimen Oberbaurat und Abteilungschef im Reichsmarineamt, Dr.-Ing. E.h. Rudolf Veith.
Aus Anlass des 70. Geburtstages des Wirklichen Geheimen Oberbaurats und Abteilungschefs im Reichsmarineamt, Dr.-Ing. E.h. Rudolf Veith werden diesem von Privatpersonen und Firmen ,,gewisse Beträge zur Verfügung gestellt mit der Maßgabe, dass ihm mit der Widmung dieser Summen an die Schiffbautechnische Gesellschaft eine Ehrung hat erwiesen werden sollen''. Es handelt sich zunächst um 217.000 Mark, die Stiftung wuchs bis zum Tode Veiths 1917 auf den Betrag von 300.000 Mark. Veith zog die Einzelbeträge zu einem einheitlichen Kapital zusammen, welches unter dem Namen ,,Veith-Stiftung'' als Sondervermögen der Gesellschaft verwaltet wird. In der Satzung der Stiftung heißt es u.a. ,,Aus den jährlichen Zinsen der Veith-Stiftung sollen Schiffbau- und Schiffsmaschinenbau-Studierende deutscher Technischer Hochschulen unterstützt werden'' ... ,,Zur Unterstützung berechtigt sind: in erster Linie Söhne von Mitgliedern der STG, die als Kriegsteilnehmer gefallen oder später gestorben sind, sodann die Söhne aller anderen Mitglieder der STG, die ein geringeres Einkommen besitzen, endlich, die Söhne von Werkmeistern und Arbeitern der deutschen Werften''. Dr. phil. Gustav Bauer erhält die silberne Denkmünze. Bauer Vortrag über Wärmetechnische Betrachtungen über die Wirtschaftlichkeit der Schiffsantriebe. Es wird der ,,Deutsche Verband Technisch-Wissenschaftlicher Vereine'' gegründet. Gründer sind die Schiffbautechnische Gesellschaft, der Verein Deutscher Ingenieure, Verband Deutscher Elektrotechniker, der Verband Deutscher Chemiker und der Verband Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine mit zusammen 60.000 Mitgliedern. Erster Vorsitzender wird Professor Busley, der sofort mehrere Ausschüsse einrichtet, so den ,,Ausschuss für technische Studien'', der über den Ausbau des volkswirtschaftlichen Unterrichts und die Zulassung von Ingenieuren in den öffentlichen Dienst beraten soll. Weiterhin wird der ,,Ausschuss für Energiebesteuerung'' gegründet, der die Fragen der Kohleverwertung und Besteuerung behandeln soll. |
![]() Wirklicher Geheimer Oberbaurat Dr.-Ing. E.h. Rudolf Veith ![]() Dr. phil. Gustav Bauer |
Man beschäftigt sich auch schon mit der Frage des gesetzlichen Schutzes der Berufsbezeichnung ,,Ingenieur'', zumal in Österreich ein solcher gesetzlicher Schutz beschlossen wird. Auf Wunsch des Reichskanzlers legt man ein entsprechendes Gutachten vor, welches für Absolventen Technischer Hochschulen den Titel Dipl.-Ing. und für solche von höheren Maschinenbauschulen den Titel ,,Ingenieur'' vorsehen. Personen, die zwar an Technischen Hochschulen studiert, aber keinen Abschluss erhalten konnten oder solche Personen, die im Besitz ausreichender Allgemeinbildung langjährig und mit besonderen Leistungen gearbeitet haben, sollen ebenfalls das Recht erlangen, den Titel ,,Ingenieur'' zu führen.
Das Deutsche Reich kann sich zu einer allgemeinen gesetzlichen Regelung nicht entschließen, obwohl gerade staatliche Einrichtungen, z.B. das Reichsmarineamt den Marineingenieur, das Reichswirtschaftsamt, den Titel Schiffs-Ingenieur oder das Reichsministerium für öffentliche Angelegenheiten den Titel Eisenbahn-Ingenieur eingeführt hatten.
Der Marinebaurat Otto Berghoff, der sich durch eine Reihe von Patenten vor dem Krieg einen Namen gemacht hatte, dann bereits 1905 aus der Marine ausgeschieden, aber im Kriege wieder reaktiviert worden war, spendet 50.000 M Kriegsanleihen als Grundsstock einer ,,Berghoff-Stiftung''. In der Satzung dieser Stiftung heißt es u. a.: ,,Zweck der Stiftung ist die Förderung von Erfindungen und Forschungen auf den Gebieten, welche die Schiffbautechnische Gesellschaft bearbeitet, vorzugsweise aber auf denen der Kriegsmarine. ... Erfinder und Forscher, welche durch Beihilfe der Berghoff-Stiftung geldliche Vorteile erzielen, mögen sich verpflichtet fühlen, auch ihrerseits zur Erhöhung der Stiftung beizutragen''. |
![]() Marinebaurat Otto Berghoff |
Dr.-Ing. Friedrich Moll hält einen ausführlichen Vortrag über die Entwicklung des Schiffsankers und die Grundlagen der Konstruktion moderner Anker. Prof. Lienau von der Königlichen Technischen Hochschule Danzig spricht über Schiffbau als Kunst, wobei er sich auf die äußere und innere Gestaltung von Schnelldampfern konzentriert.

In dem Vortrag von Prof. Lienau wird über den vierten Schornstein der Olympic/Titanic, der nur eine Attrappe war, diskutiert und eine Alternative mit drei Schornsteinen vorgeschlagen, der allerdings heftig widersprochen wird.
Unter aktiver Mitwirkung der Gesellschaft richtet der Deutsche Verband Technisch-Wissenschaftlicher Vereine ein Gesuch an den preußischen Minister des Inneren, bei der Neugestaltung des ,,Preußischen Herrenhauses'' ein gewisses Präsentationsrecht zu erhalten. Die Gesellschaft berät ausführlich die Weiterentwicklung der Hochschulausbildung.
Die Auswirkungen des Krieges finden nur geringen Niederschlag in der Arbeit der Gesellschaft. Lediglich die alljährlich im November stattfindende Hauptversammlung in Berlin für das Geschäftsjahr 1918 wird wegen der Novemberunruhen erst im März 1919 abgehalten. Daher konnten die Vorträge, die für das Jahr 1918 vorgesehen waren erst im März 1919 gehalten werden. Geheimrat Busley hält auf der Hauptversammlung einen ausführlichen Vortrag über die Schiffe des Altertums und Friedrich Achenbach stellt grundlegende Betrachtungen zum Eisenbetonschiffbau an.
Der Großherzog von Oldenburg erklärt, in Folge seiner Abdankung den Ehrenvorsitz der Gesellschaft nicht mehr wahrnehmen zu können. Die Gesellschaft beschließt, den Großherzog zu überreden, dennoch weiter als Ehrenvorsitzender zu verbleiben. Diesem Wunsch folgt der Großherzog, zumal auch Kaiser Wilhelm II. Schirmherr der Gesellschaft bleibt.
Die Gesellschaft beteiligt sich an einer Reihe von übergreifenden Ausschüssen, so dem ,,Normenausschuss der Deutschen Industrie'', sowie dem ,,Ausschuss für wirtschaftliche Fertigung''. Auf Veranlassung dieses Ausschusses findet unter Teilnahme des Reichskommissars für Fischversorgung eine Versammlung von Vertretern von Fischereifahrzeugwerften mit dem Ziel statt, durch Typisierung und Normung die Herstellung von Fischereifahrzeugen und Geräten zu verbilligen. Die Wünsche der beteiligten Werften gehen aber noch weiter bis hin zu einem engeren Zusammenschluss zwecks besserer Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Gewichtigste, die gesamte Industrie betreffende Frage ist indes, wie man die Kriegswirtschaft in die kommende Friedenswirtschaft überführen kann, ohne die vorhandene Industriesubstanz zu gefährden. Hieraus leitet sich die Gründung des ,,Ausschusses für wirtschaftliche Fertigung'' ab.
Die Gesellschaft beteiligt sich auch weiterhin aktiv an der Arbeit verschiedener übergeordneter Ausschüsse wie des ,,Deutschen Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine'', dem Ausschuss zur ,,Beratung technisch-statistischer Fragen''; des Ausschusses zur ,,Förderung des technischen Büchereiwesens'', da es in Deutschland immer noch keine speziellen Technischen Büchereien gibt. Weiterhin entsteht der Ausschuss zur ,,Verbesserung der naturwissenschaftlichen Unterrichts'' sowie des Ausschusses zur ,,Vereinheitlichung des deutschen Verkehrswesens''. Der Ausschuss für ,,wirtschaftliche Fertigung'' beschäftigt sich intensiv mit allen Fragen zur Beseitigung der Kriegsfolgen. Seine umfangreichen Arbeitsergebnisse veröffentlicht der Ausschuss in regelmäßigen Mitteilungen in der VDI-Zeitung ,,Der Betrieb''. Nachdem die Gesellschaft ähnliche Gesuche wiederholt abgelehnt hat, stimmt diese nunmehr dem Vorschlag Dr. Foersters zu, der dem Verlag von Julius Springer gehörende Zeitschrift ,,Werft und Reederei'' den Zusatz ,,Organ der Schiffbautechnischen Gesellschaft'' zu gestatten. Auf Vorschlag von fünf Herren der Gesellschaft wendet sich die Gesellschaft offiziell an die Deutsche Nationalversammlung mit der Bitte, die höheren technischen Beamten den juristisch gebildeten Verwaltungsbeamten gleichzustellen, sowie an die Spitze technischer Abteilungen Ingenieure zu stellen. Hintergrund ist, dass man nach Auflösung des Reichsmarineamtes die Marinebaubeamten und höheren Marineoffiziere zwar in die nunmehr gegründete ,,Admiralität'' überführt hatte, diese aber den juristischen Verwaltungsbeamten besoldungs- und Stellen mäßig nachgestellt hatte. Dieses vom Vorsitzenden der Gesellschaft, Geheimrat Busley, unterzeichnete Gesuch wird am 22. November an die Nationalversammlung gerichtet und schon am 18. Dezember durch diese positiv beschieden. In Fortsetzung seines Vortrages auf der Hauptversammlung im März wird der Beitrag von Busley, Schiffe des Mittelalters und der neueren Zeit, im Jahrbuch abgedruckt. W. Hahnemann berichtet über den Stand der Unterwasserschalltechnik. |
![]() Konteradmiral Adolf von Trotha wurde 1919 Chef der Admiralität der Reichsmarine |
Unter Führung des Preußischen Staatsministers Dr. Schmidt erfolgt der Zusammenschluss der deutschen Wissenschaft zu der ,,Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft'', der Vorläuferorganisation der heutigen ,,Deutschen Forschungs-Gemeinschaft''. Im Interesse technisch-organisatorischer Arbeiten und Gemeinschaftsarbeiten hat der Vorstand des ,,Deutschen Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine'' beim Zustandekommen des ,,Kartells für freie Berufe'' mitgewirkt. Die ,,Deutsche Dampfkessel-Normen-Kommission'' tagt nach siebenjähriger Pause, um eine neue Verordnung für ,,Schiffdampfkessel'' zu beraten. Die sehr detaillierten Vorschriften über das Material und den Bau von Schiffsdampfkesseln werden unter Mitarbeit des Germanischen Lloyds erlassen.
Um die durch die Inflation hervorgerufene desolate wirtschaftliche Lage der STG zu mildern, bittet der ,,Verein der Deutschen Schiffswerften'' seine Mitglieder, drei RM je Beschäftigten an die STG zu überweisen.
Darüber hinaus stiften u. a. die großen Reedereien je 5.000 RM, so dass insgesamt ein Betrag von 395.000 RM zur Deckung der Fehlbeträge aus vorangegangenen Jahren zusammenkommt. Dr.-Ing. Karl Schaffran erhält die silberne Denkmünze.
Dr.-Ing. Weitbrecht berichtet über den Schiffswiderstand auf beschränkter Wassertiefe.
Die Auswirkungen des verlorenen Krieges auf das Leben in der Gesellschaft sind in mehrfacher Richtung zu spüren. Der große Einfluss der Kaiserlichen Marine wird nur noch durch private Einzelpersönlichkeiten sichtbar. Die Umstellung der Werften auf eine Friedenswirtschaft und die politischen Veränderungen in Danzig und Ostpreußen mit der Gründung eines polnischen Staates sind so starke Faktoren, dass die technisch-wissenschaftliche Arbeit innerhalb der Gesellschaft sowie die Anzahl der Mitglieder sich deutlich verringert. Es findet unter Beteiligung namhafter Persönlichkeiten der Gesellschaft eine umfangreiche Beratung über neue Vorschriften für Schiffsdampfkessel statt. Dabei sind besonders die Bemühungen, diese mit englischen und französischen Vorschriften abzustimmen, bemerkenswert. Seitens der Geschäftsführung des ,,Deutschen Verbandes der technisch-wissenschaftlichen Vereine'', in dem die Schiffbautechnische Gesellschaft eine einflussreiche Rolle spielt, wird geäußert, dass in der ,,Ehrendoktorfrage'' an technischen Hochschulen irgendwie Remedur geschaffen werden müsse, um dieser höchsten akademischen Auszeichnung infolge einer übergroßen Anzahl von Ehrenpromotionen nicht einen Teil ihres Wertes zu nehmen. Der ,,Deutsche Schulschiffverein'' muss seine beiden Schulschiffe, Großherzog Friedrich August und Prinz Eitel Friedrich an die Siegermächte abtreten. Dem Verein verbleibt nur noch das Schulschiff Großherzogin Elisabeth, welches nach gründlicher Überholung in Dienst gestellt wird. Später baute man sich dann das Schulschiff Deutschland, dies liegt heute in Bremen. Der ,,Deutsche Seeschiffahrtstag'' nimmt eine Entschließung an, die schwarz-weiß-rote Flagge beizubehalten. Mangels Mittel muß der Ausschuss für ,,Systematik des Schiffbaues'' ruhen. |
![]() Das Schulschiff Großherzog Friedrich August fuhr später viele Jahre als Staatsraad Lehmkuhl unter norwegischer Flagge ![]() Das Schulschiff Prinz Eitel Friedrich fuhr später viele Jahre als Dar Pomorza unter polnischer Flagge und liegt heute als Museumsschiff in Gdingen ![]() Das Schulschiff Deutschland |
Auf Antrag des Marinebaurats K. Schulthes wird der sog. Fachausschuss gegründet. Zweck des Fachausschusses ist u. a. ,,... die Herbeischaffung möglichst erstrebenswerter Vorträge für die Hauptversammlung''. Mitglied des Fachausschusses sind als Vertreter der Schiffsmaschinenbauingenieure Dr. G. Bauer, Vulcan-Werk Hamburg; Geheimer Oberbaurat R. Müller von der Marineleitung und Vertreter des Vorstandes der Gesellschaft; W. Süchting, Blohm & Voss; Professor W. Laas von der Technischen Hochschule Berlin; Professor H. Föttinger von der Technischen Hochschule Danzig und Professor H. Dieckhoff von der Woermann-Linie.
Die in dem Ausschuss erarbeiteten Bestimmungen für die Abhaltung von Vorträgen lauten:
Die Abhaltung eines Vortrages vor der STG ist als eine ehrenvolle Aufgabe zum Zwecke der Förderung der deutschen Schiffbautechnik zu betrachten'' und weiter,,... auf wissenschaftlicher Basis beruhende Kritik des Stoffes darf nicht zu vermissen sein''. Die Dauer der Vorträge soll 45 Minuten nicht überschreiten, das Lichtbildmaterial muss ,,vorzüglich'' sein. Zu den anschließenden Diskussionen wird in den Bestimmungen vermerkt: ,,Das Zustandekommen einer lebhaften, sich in streng sachlichen Grenzen bewegenden Erörterungen wird als sehr erstrebenswert betrachtet. Vorstand und Fachausschuss der Gesellschaft nehmen gern Vorschläge für die Ermittlung von Rednern zu den Erörterungen entgegen.
Durch die Inflation ist das Vermögen der Veith- und Berghoff-Stiftung aufgezehrt. Dazu wird festgestellt, dass diese Stiftungen praktisch aufgehört haben zu bestehen. Auch in diesem Jahr zahlen zwei Deutsche Werften einen Sonderbeitrag von 125 000 Mark, um die Fehlbeträge auszugleichen. Das für 1923 vorgesehene Jahrbuch war mit 3.600.000 Mark bei einer Auflage von 2000 Stück veranschlagt, tatsächlich kostete es schließlich 16.000.000 M.
Unter Leitung des Dezernenten für die Technischen Hochschulen im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Professor Heinrich Anmund, ehemals Professor an der TH Danzig und Berlin, wird in Preußen eine Hochschulreform begonnen. Wesentliche Änderung ist die Einführung von Fakultäten und damit Auflösung der Abteilung IV ,,Schiffbau und Schiffsmaschinenbau'' an der TH Berlin-Charlottenburg. Diese Reformbemühungen werden von den Studenten aufs heftigste abgelehnt. Der ,,Deutsche Ausschuss für technisches Schulwesen'', in dem die Schiffbautechnische Gesellschaft aktiv mitarbeitet, bemüht sich sehr um Verbesserung der Lehrqualität, sieht allerdings dieses mehr in der Qualität der Lehrpersonen als in einer organisatorischen Reform. In der Tat bildet ein Mangel an theoretischem Lehrstoff schon seit langem Anlass zur Klage aus der Praxis. Die Gesellschaft beauftragt die Professoren Laas und Romberg und den Marine-Oberbaurat Schultz, sich der Fragen der Hochschulreform anzunehmen.
Anlässlich des Rückkaufes des Schnelldampfers Cap Polonia der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft (HSDG) beschließt die Reederei den Umbau des Schiffes von Kohlen- auf Ölbetrieb. Paul Müller berichtet daher der Gesellschaft über die Ölfeuerungsanlagen auf den Dampfern der HSDG.
Der Wirkliche Geheime Oberbaurat Prof. Dr.-Ing. E.h. J. Rudloff wird Ehrenmitglied der Gesellschaft. Die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft hat sich derart verschlechtert, dass im Oktober des Jahres das Personal der Geschäftsstelle entlassen werden muss. Die Direktion der Vulcan -Werke in Hamburg überweist das Autorenhonorar ihres Direktors, Dr. Bauer, für das Buch ,,Der Schiffmaschinenbau'' in Höhe von 65 Dollar Goldschatzanweisung, womit die Gesellschaft das Jahr 1923 schuldenfrei abschließen kann. |
![]() Wirkliche Geheime Oberbaurat Prof. Dr.-Ing. E.h. J. Rudloff |
Die Gesellschaft begeht ihr 25jähriges Bestehen in Anwesenheit seiner königlichen Hoheit, des Prinzen Heinrich von Preußen, in Vertretung seines Bruders, des letzten deutschen Kaisers, in der Aula der Technischen Hochschule Charlottenburg. Professor Laas, als Rektor der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, ehrt den Vorsitzenden der Gesellschaft durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft und Professor Pagel und den Werftbesitzer Berninghaus durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde. Professor Busley hält den Festvortrag mit einem Abriss der Tätigkeit der Gesellschaft in den letzten 25 Jahren. In 25 Hauptversammlungen und 10 Sommertagungen wurden insgesamt 205 Vorträge gehalten. Hinzu kommen noch 38 Beiträge. Er führte u. a. aus: Der schnelle und glänzende Aufstieg der Schiffbautechnischen Gesellschaft bleibt in erster Reihe ein Verdienst unseres allerhöchsten Schirmherrn und unseres hohen Ehrenvorsitzenden... aber selbst diese fürstliche Gunst hätte keine dauernden Erfolge für unsere Gesellschaft zeitigen können, wenn sich die Vorträge nicht auf einer achtungsgebietenden Höhe gehalten hätten. Erst die nicht hoch genug einzuschätzende Preisgabe wertvoller praktischer Erfahrungen und kostspieliger Versuchs- und Betriebsergebnisse unserer großen Werften und weltbekannten Reedereien drückten den Vorträgen ihr überragendes Gepräge auf. Sie machten auch die ihnen folgenden Erörterungen so bedeutungsvoll, dass unsere Jahrbücher mit denen unserer fremdländischen Schwestergesellschaften mindestens auf gleicher Stufe stehen. Nichts spricht lauter für ihren Wert als die Tatsache, dass schon seit längerer Zeit mehrere Jahrgänge vergriffen sind, trotzdem alljährlich Hunderte von Exemplaren mehr gedruckt wurden, als unsere Mitgliederzahl erforderlich machte, und obgleich für diese der doppelte Preis gezahlt werden musste. Unseren Werften und Reedereien, sowie allen Rednern in unseren Versammlungen, die ausnahmslos unsere Bestrebungen zu fördern suchten, sei unser wärmster Dank ausgesprochen. Solange uneigennützige und selbstlose Mitglieder in begeisterter Hingabe an ihrem Beruf bereit sind, für die Ausarbeitung wichtiger Fachvorträge große persönliche Opfer an Arbeitskraft und Zeit zu bringen, solange wird sich die Schiffbautechnische Gesellschaft auf ihrer Höhe halten, denn in unserem engen Kreise gilt wie im weiten Weltgetriebe das wahre Wort: Nur Männer machen die Geschichte !'' Der Geschäftsbericht des Jahres 1923 der Gesellschaft weist eine Bilanz von über 258 Billionen Mark aus. Der technische Direktor der Werft von Blohm & Voss, Hermann Frahm, erhält die goldene Denkmünze der Gesellschaft. Frahm hält vor der Gesellschaft einen Vortrag über Zahnradgetriebe für Turbinen- und Motorschiffe der Werft Blohm & Voss. Philipp Heineken, Präsident des Norddeutschen Lloyds und Victor Nawatski, Aufsichtsratsvorsitzender und ehemaliger Generaldirektor des Bremer Vulkans, werden Ehrenmitglieder. Anton Flettner hält einen Vortrag über die Anwendung der Erkenntnisse der Aerodynamik zum Windantrieb von Schiffen. |
![]() Prinz Heinrich von Preußen ![]() Dr.-Ing. E. h. mult. Hermann Frahm ![]() Philipp Heineken Präsident des Norddeutschen Lloyds ![]() Victor Nawatski Aufsichtsratsvorsitzender und ehemaliger Generaldirektor des Bremer Vulkans ![]() Segelfrachtschiff Buckau mit Flettner Rotoren |
Der Fachausschuss der Gesellschaft tagt erstmalig in Hamburg im Haus des Stettiner Vulcan -Werkes Hamburg. Es wird eine Erweiterung des Ausschusses durch die Möglichkeit der Kooptierung erörtert. Der Fachausschuss beschließt, sog. Sprechabende zu veranstalten.
Der ,,Deutsche Schulschiffverein'' feiert sein 25jähriges Jubiläum. Die Bilanz der Gesellschaft des Jahres 1925 zeigt einen Betrag von 34 200 M, wobei die Gesellschaftstätigkeit umfangreicher als im Vorjahr gewesen ist. Dr.-Ing. E.h. Dr. phil. Gustav Bauer, Direktor der Stettiner Vulcan- Werke Hamburg, erhält die ,,goldene Denkmünze'' der Gesellschaft.
Dr.-Ing. Georg Schnadel trägt über die Spannungsverteilung in den flanschen dünnwandiger Kastenträger. Schnadel konnte erstmalig zeigen, dass man mit Hilfe der Elastizitätstheorie auch komplexe Spannungszustände im Schiffsverband sehr genau beschreiben kann. Die Arbeit kennzeichnet den Beginn der analytischen Strukturanalyse im Schiffbau.
Erster Sprechabend des Fachausschusses am 4. Mai in den Räumen der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg. Auf der zweiten Sitzung des Fachausschusses im Oktober in Hamburg wird lebhaft über verschiedene aktuelle Themen diskutiert. Besonders die Erfolge Dr. Dahlmanns und Dr. Siemanns auf dem Gebiet der Bordmessungen führen zu dem Beschluss, dass Professor Lienau von der Technischen Hochschule Danzig eine Denkschrift über den Stand und die Ziele der Forschungen verfassen möge.
Nach der Überwindung der Inflation kann der ,,Deutsche Verband Technisch-wissenschaftlicher Vereine'' wieder aktiv werden. Auch der ,,Deutsche Dampfkessel-Ausschuss'' berät Ergänzungen der Bauvorschriften für Schiffsdampfkessel.
Durch Vermittlung des Ministerialdirektors im Reichswehrministerium und stellv. Vorsitzenden der Gesellschaft, Paul Presze, stellt die Marineleitung der Gesellschaft 10.000 M zur Verfügung, um sowohl Bordmessungen durch Dr. Siemann als auch Laborversuche von Professor Lienau zu finanzieren. Damit beteiligt sich die Gesellschaft aktiv an der Forschungsförderung. Die Sprechabende werden eine stehende und erfolgreiche Einrichtung. Die Referate werden nicht im Jahrbuch, sondern in der Zeitschrift ,,Werft, Reederei und Hafen'' veröffentlicht. In den Sitzungen des Fachausschusses werden Ergebnisse der Forschergruppe auf dem Gebiet der Schiffsfestigkeit besprochen. Der besondere Reiz, an den Veranstaltungen des Fachausschusses teilzunehmen, besteht darin, dass bei erfolgreicher Präsentation von Forschungsergebnissen die Bewilligung von Fördermitteln seitens der Gesellschaft in Aussicht gestellt werden kann. Der Deutsche Schulschiffsverein lässt bei der Werft von Joh. C. Tecklenborg in Geestemünde ein neues Schulschiff mit dem Namen Schulschiff Deutschland bauen. Es wird auf dem Deutschen Seeschifffahrtstag von der erfolgreichen Erprobung des von der Marineleitung in Auftrag gegebenen Rotorschiffs Barbara berichtet. Die Gesellschaft arbeitet bei der Weiterentwicklung der sog. RAL, dem Reichs- Ausschuss für Lieferbedingungen, aktiv mit. Der ehemalige Geheime Marinebaurat Tjard Schwarz erhält die silberne Denkmünze der Gesellschaft. |
![]() Professor Walter Laas ![]() Rotorschiff Barbara ![]() Geheimer Marinebaurat Tjard Schwarz |
Der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Busley, verstirbt im Februar an Bord des Dampfers Fulda des Norddeutschen Lloyds auf der Fahrt im Roten Meer. Prof. Busley hat neben dem Vorsitz der Gesellschaft leitende Funktionen auch beim ,,Deutschen Segler Verband'', dem ,,Deutschen Automobilclub'', dem ,,Deutschen Motoryacht Verband'', dem ,,Deutschen See-Verein'', und dem ,,Deutschen Schulschiffverein'' innegehabt. Ihm ist das Aufblühen aller dieser Vereinigungen maßgeblich zu verdanken, zumal er über beste Beziehungen zur Werftindustrie (Schichau, Sachsenburg) und der Kaiserlichen Marine sowie zum Hof selbst verfügte. Busley ist aber nicht allein Funktionär gewesen. Er hat neben seinem Hauptwerk ,,Die Schiffsmaschine'' eine größere Anzahl wissenschaftlicher Publikationen veröffentlicht sowie umfangreiche historische Aufsätze verfasst. Er kann als der Enzyklopädist der deutschen Schiffstechnik am Anfang des 20. Jahrhunderts gelten. Die in der Gesellschaft veranstaltete Gedächtnisfeier und würdigt damit die Lebensleistung eines ungewöhnlichen Ingenieurs. Der neue Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Laas, schloss die Gedächtnisfeier mit den Worten: ,, ... Erhoben von der Erinnerung an die großen Zeiten der Vergangenheit, durchglüht von dem Sehnen nach neuem Aufstieg, wollen wir -- und das gilt ganz besonders für die Jüngeren unter uns -- mit ganzer Kraft daran arbeiten, dass Deutschland wieder zu Ansehen und Macht gelangt.'' Die Tätigkeit des Fachausschusses gestaltet sich außerordentlich fruchtbar. Außer den Berichten zu verschiedenen Bordmessungen durch Dr.-Ing. Siemann und Dr. Dahlmann sowie den Laborversuchen von Prof. Lienau, werden besonders Fragen der Festigkeit der geschweißten Konstruktionen von Seiten der Reichsmarine zur Kenntnis genommen und intensiv diskutiert. Dr. Kempf berichtet über den Entwurf eines großen Versuchstanks in der Hamburgischen Schiffbauversuchsanstalt für Festigkeitsuntersuchungen. Erstmalig beteiligt sich auch der neu berufene Prof. Schnadel an den Beratungen des Fachausschusses. Im Rahmen der von Prof. Lienau in seiner Festigkeitsdenkschrift vorgeschlagenen Untersuchungen, wird eine gewisse Aufgabenaufteilung zwischen den Fachleuten in Danzig, Berlin, Hamburg und der Marineleitung vereinbart. Dr.-Ing. Rudolf Wagner, Direktor der Wagner Hochdruck Dampfturbinen AG, erhält die silberne Denkmünze der Gesellschaft. Geschäftsführer der Gesellschaft wird Dr.-Ing. Hans Mohr. |
![]() Der Artus-Hof in Danzig ![]() Innenansicht des Artus-Hofs mit den verschiedenen so genannten Banken ![]() Dr.-Ing. Rudolf Wagner |
Aus Anlass der 25-Jahrfeier der Gründung der Technischen Hochschule Danzig findet die Sommertagung der Gesellschaft in Danzig statt. Der Begrüßungsabend findet im historischen Artus Hof statt, während die eigentlichen Vorträge in der Technischen Hochschule gehalten werden.
Durch die schwierige Lage Danzigs als Völkerbundsmandat und größtenteils gemischt deutsch-polnisch besetzten öffentlichen Ämtern wie der Post und den Hafenbehörden, wird dem Besuch der deutsch geführten Hochschule aus dem Reich eine besondere Bedeutung zur Stärkung des Deutschtums in Danzig beigemessen.
Prof. Dr.-Ing. Moritz Weber Berlin referiert über das allgemeine Ähnlichkeitsprinzip der Physik und sein Zusammenhang mit der Dimensionslehre und der Modelwissenschaft. Dieser Vortrag ist von grundsätzlicher Bedeutung für das Schiffsmodelversuchswesen bis heute.
Der Fachausschuss unterstützt Dr.-Ing. von den Steinen bei seinen Untersuchungen über den Einfluss von Wasser an Deck auf die Stabilität von Schiffen. Hierfür steht das Schiffbaulaboratorium der Staatslehranstalten Hamburg zur Verfügung. Die Veith- und die Berghoff-Stiftung können wieder durch Mittelzufluss tätig werden. Es wird beschlossen, in Zukunft kooperative Mitglieder aufzunehmen.
Der Großherzog Friedrich August legt wegen seines hohen Alters sein Amt als Ehrenvorsitzender der Gesellschaft nieder. Die Gesellschaft ernennt ihn daraufhin zum Ehrenmitglied. Der Großherzog verstirbt im gleichen Jahr. Prof. Laas, der nach dem Tod von Prof. Busley den Vorsitz übernommen hatte, bittet von einer weiteren Bestellung abzusehen. Es wird daher der Geheime Regierungsrat Prof. Dr.-Ing. E.h. Johann Schütte zum neuen Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Dr.-Ing. Günther Kempf, Direktor der Hamburgischen Schiffsbauversuchsanstalt, erhält die silberne Denkmünze der Gesellschaft. Zwischen der Gesellschaft und der ,,Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt'' wird eine freundschaftliche Zusammenarbeit vereinbart. |
![]() Friedrich August Großherzog von Oldenburg ![]() Dr.-Ing. Günther Kempf ![]() Geheimer Regierungsrat Professor Dr.-Ing. E.h. Johann Schütte |