Schiffbautechnische Gesellschaft e.V.

Bis 1900

1791

Erster Versuch der Gründung einer technisch-wissenschaftlichen Gesellschaft in England. Der Buchhändler Sewell gründet ,,The Society for the Improvement of Naval Architecture'', die sich allerdings trotz allgemein anerkannter Erfolge 1799 wieder auflöst.

1857

Auf Anregung von William John Macquorn Rankine erfolgt die Gründung der ,,Institution of Engineers and Shipbuilders in Scotland'' zur Förderung des Fortschritts der Maschinenbauwissenschaft des Clyde-Bezirks.

1860

Gründung der ,,Institution of Naval Architects'' am 16. Januar durch namhafte Vertreter der Royal Navy, der Werften und Einzelpersonen. Erster Sekretär wurde der Chefkonstrukteur der Royal Navy, der spätere Sir E.J. Reed. Anlässlich der Hundertjahrfeier der Institution wurde diese dann 1960 in ,,Royal Institution of Naval Architects'' umbenannt.

1884

Gründung der ,,North-East Coast Institution of Engineers and Shipbuilders'' in Newcastle upon Tyne.

1889

Gründung des ,,Institute of Marine Engineers'' am 12. Oktober in London. Gründung der ,,Association Technique Maritime'' in Paris.

1893

Gründung der ,,Society of Naval Architects and Marine Engineers'' in New York am 28. April. Erste Vollversammlung am 16. November.

1896

Auf Einladung der Handelskammer Hamburg hält die ,,Institution of Naval Architects'' (INA) in Hamburg ihre Sommertagung ab und besucht auf Einladung des deutschen Kaisers Wilhelm II. Berlin. In Berlin wurde die britische Delegation durch den Rektor der Technischen Hochschule Berlin- Charlottenburg, dem bekannten Baustatiker Prof. Müller- Breslau sowie dem Staatsekretär des Reichsmarineamts Admiral Hollmann, in der Technischen Hochschule in Gegenwart Kaiser Wilhelms begrüßt. Der Besuch hinterlässt in deutschen Fachkreisen einen derart tief greifenden Eindruck, dass im Winter 1896/97 eine Gruppe deutscher Ingenieure des Schiff- und Schiffmaschinenbaues in Hamburg zusammen kommt, um die Möglichkeiten, eine ähnliche Gesellschaft zu gründen, zu diskutieren.


Kaiser Wilhelm II., Initiator der STG
Kaiser Wilhelm II., Initiator der STG

1897

Am 31. März erfolgt die Aufforderung zur Gründung eines ,,Verbandes Deutscher Schiffbau- und Schiffmaschinenbau-Ingenieure''. Der dominierenden Interesse der Kaiserlichen Marine folgend und somit auch den Wunsch Kaiser Wilhelms II erfüllend, bat man den einflussreichen Chefkonstrukteur der Kaiserlichen Marine, den Wirklichen Geheimen Admiralitätsrat Alfred Dietrich zu bitten, die ausschlaggebenden Kreise Deutschlands für die Idee zu gewinnen und die Einleitung der Gründung zu betreiben, wie es damals hieß.

Gründung der Society of Naval Architects of Japan'' in Tokio.


Wirklicher Geheimer Admiralitätsrat A. Dietrich
Wirklicher Geheimer Admiralitätsrat A. Dietrich

1899

Am 23. Mai 1899 erfolgt die Gründung der „Schiffbautechnischen Gesellschaft'' im Hotel ,,Kaiserhof'' in Berlin. Gründungsvorsitzender wird der Geheime Regierungsrat und Professor Carl Busley.

Die erste Hauptversammlung  findet in Gegenwart des deutschen Kaisers, der auch die Schirmherrschaft übernimmt, sowie des Erbgroßherzogs Friedrich August von Oldenburg als Ehrenvorsitzenden statt. Es wird beschlossen, in Anlehnung an die Gepflogenheiten der ,,Institution of Naval Architects'' Fachmitglieder, Mitglieder und Ehrenmitglieder aufzunehmen. Fachmitglieder sollen mindestens 28 Jahre alt und wenigstens 8 Jahre im Schiff- oder Schiffmaschinenbau tätig gewesen sein. Mitglied können solche Nichtfachleute werden, die imstande sind, sich mit Fachleuten an Erörterungen zu beteiligen. Ehrenmitglieder müssen sich um die Gesellschaft hervorragend verdient gemacht haben.

Der wichtigste Satz aus der Satzung legt den Zweck der Gesellschaft fest. Zweck der Gesellschaft ist der Zusammenschluss von Schiffbauern, Schiffsmaschinenbauern, Reedern, Offizieren der Kriegs- und Handelsmarine und anderen, mit dem Seewesen in Verbindung stehenden Kreisen, um wissenschaftliche und praktische Fragen der Schifftechnik zu erörtern.

Außer Professor Busley werden als stellvertretender Vorsitzender der Geheime Admiralitätsrat Georg Langer; als Fachbeisitzer der Direktor des Germanischen Lloyds, Friedrich Middendorf, der Geheime Marinebaurat Johannes Rudloff, der Werftbesitzer Kommerzienrat Gotthard Sachsenberg, der Werftdirektor Robert Zimmermann und als Beisitzer der Präsident des Norddeutschen Lloyds Friedrich Achelis und der Reeder Konsul Eduard Woermann ernannt. Mit dieser Besetzung erreicht man die Berücksichtigung aller maßgeblichen Kreise. Zum ersten Geschäftsführer wird Hugo Seidler, weiland Schiffbauingenieur und Lehrer an der staatlichen Schiffbauschule in Hamburg, berufen. Er blieb in diesem Amt bis 1907. Die erste Hauptversammlung findet am 5./6. Dezember 1899 in der Aula der Kgl. Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg statt.


Geheimer Regierungsrat Prof. Dr.-Ing. E.h.C. Busley
Geheimer Regierungsrat Prof. Dr.-Ing. E.h. C. Busley

Hauptgebäude der Kgl. Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg
Hauptgebäude der Kgl. Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg


Dankbarkeitsadresse der Schiffbautechnischen Gesellschaft
Dankbarkeitsadresse der Schiffbautechnischen Gesellschaft an seine Majestät den deutschen Kaiser und König von Preußen Wilhelm II durch den Ehrenvorsitzenden Friedrich August Großherzog von Oldenburg Dezember 1899 und dem Geschäftsführenden Vorstand, dem Geheimen Regierungsrat Carl Busley.

Achelis
Friedrich Achelis

Georg Langer
Georg Langer

Friedrich Middendorf
Friedrich Middendorf

Friedrich August Großherzog von Oldenburg
Friedrich August Großherzog von Oldenburg
Johannes Rudloff
Johannes Rudloff

Gotthard Sachsenberg
Gotthard Sachsenberg
Eduard Woermann
Eduard Woermann

Robert Zimmermann
Robert Zimmermann

1900

Die Gesellschaft hat bereits 680 Mitglieder, damit sind die meisten in Betracht kommenden Personen mit Schiffbauinteressen in der Gesellschaft vereint. Die Vortragsgestaltung liegt in der Hand des Vorstandes und seiner Beisitzer. Als Vortragende wählt man Persönlichkeiten in gehobenen Stellungen aus, deren Vorträge außerordentlich umfangreiche Übersichten in ansprechender und allgemein verständlicher Weise sind. Geheimrat Busley referiert als erster vor der Gesellschaft über moderne Unterseeboote. Prof. Slaby, technischer Berater des Kaisers, spricht über die Anwendung der Funkentelegraphie in der Marine. Der Direktor des Germanischen Lloyd F. L. Middendorf berichtet über die Steuervorrichtungen von Seeschiffen und über den Widerstand der Schiffe sowie der Arbeitsleistung für Schiffsmaschinen.

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