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Geschichte der STG
1900-1910

1911

Glanzvolle Fünfzigjahrfeier der ,,Institution of Naval Architects'', zu der der Deutsche Kaiser ein Glückwunschtelegramm als langjähriges Ehrenmitglied schickt. Eine größere Delegation der Gesellschaft besucht die Feier in London, auf der Professor Busley eine Bronzestatue als ,,token of esteem'' überreicht.

In der Dankrede führt der Geheime Oberbaurat Hermann Hüllmann u.a. aus: ,,Wir vergessen nicht, daß in Wirklichkeit England auch unser Lehrmeister gewesen ist ... ''. Die Gesellschaft wirkt aktiv an den Arbeiten des '' Deutschen Ausschusses für Technisches Schulwesen'' mit. Ziel dieses Ausschusses ist es, das Interesse für die Technik in breiten Bevölkerungsschichten zu wecken.
 



Zur 50. Jahrfeier der Institution of Naval Architects von der STG gestiftete ,,Token of Esteem''

1912

Die Sommertagung wird nach längerer Pause in Kiel abgehalten. Unter Leitung des Inspekteurs des Torpedowesens Konteradmiral Lans können die Tagungsteilnehmer an Torpedobootsmanövern teilnehmen.
 

1913

Die Gesellschaft beteiligt sich an den zum Gedächtnis von Lord Kelvin (William Thomson) in der Westminster-Abtei von verschiedenen englischen und amerikanischen technischen Gesellschaften gestifteten Glasfenstern. Anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums des Deutschen Kaisers Wilhelm II. wird von der Gesellschaft, gemeinsam mit dem Kaiserlichen Yachtclub und anderen Einrichtungen eine Jubiläumsstiftung errichtet. Professor Busley erhält die Goldene Medaille der Gesellschaft.



Glasfenster zu Ehren von Lord Kelvin in der Westminster-Abtei

1914

Die Sommertagung findet in Stuttgart und Friedrichshafen unter Beteiligung des Königs von Württemberg, des Grafen Zeppelin und des Flugpioniers C.  Dornier statt, wobei letztere durch einen Vortrag bzw. Besichtigungen und Rundflügen mit dem Luftschiff ,,Viktoria Luise''  auf die Luftschiffahrt in eindrucksvoller Weise hinweisen können. Professor Ludwig Gümbel erhält die silberne Medaille. Im Dezember 1914 beschließt die ,,Institution of Naval Architects'',  die Mitgliedschaften derjenigen Mitglieder aus Nationen, mit denen England im Kriege liegt, ruhen zu lassen. Dieser Beschluß richtet sich nicht gegen die einzelnen Personen, sondern soll verhindern, daß technisch-wissenschaftliche Informationen via privater Mitgliedschaften an die gegnerische Seite gelangen können.



Graf Zeppelin

1915

Die Gesellschaft beschließt, sich in gleicher Weise wie die ,,Institution of Naval Architects'' im Jahre 1914 zu verhalten. Im Gegensatz zur englischen Institution nimmt die Gesellschaft diesen Beschluß aber nicht in die Satzung auf. Zahlreiche Mitglieder zeigen ihre Verbundenheit mit der Gesellschaft durch Stiftung von größeren Geldbeträgen, damit diese sog. Kriegsanleihen zeichnen kann. Weiterhin unterstützt die Gesellschaft materiell Hinterbliebene von gefallenen Marineangehörigen.
 

1916

Aus Anlaß des 70. Geburtstages des Wirklichen Geheimen Oberbaurats und Abteilungschefs im Reichsmarineamt, Dr.-Ing. E.h. Rudolf Veith werden diesem von Privatpersonen und Firmen ,,gewisse Beträge zur Verfügung gestellt mit der Maßgabe, daß ihm mit der Widmung dieser Summen an die Schiffbautechnische Gesellschaft eine Ehrung hat erwiesen werden sollen''. Es handelt sich zunächst um 217.000 Mark, die Stiftung wuchs bis zum Tode Veiths 1917 auf den Betrag von 300.000 Mark. Veith zog die Einzelbeträge zu einem einheitlichen Kapital zusammen, welches unter dem Namen ,,Veith-Stiftung''  als Sondervermögen der Gesellschaft verwaltet wird. In der Satzung der Stiftung heißt es u.a. ,,Aus den jährlichen Zinsen der Veith-Stiftung sollen Schiffbau- und Schiffsmaschinenbau-Studierende deutscher Technischer Hochschulen unterstützt werden'' ... ,,Zur Unterstützung berechtigt sind: in erster Linie Söhne von Mitgliedern der STG, die als Kriegsteilnehmer gefallen oder später gestorben sind, sodann die Söhne aller anderen Mitglieder der STG, die ein geringeres Einkommen besitzen, endlich, die Söhne von Werkmeistern und Arbeitern der deutschen Werften''.  Dr. Gustav Bauer erhält die silberne Denkmünze. Es wird der ,,Deutsche Verband Technisch-Wissenschaftlicher Vereine''  gegründet. Gründer sind die Schiffbautechnische Gesellschaft, der Verein Deutscher Ingenieure, Verband Deutscher Elektrotechniker, der Verband Deutscher Chemiker und der Verband Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine mit zusammen 60.000 Mitgliedern. Erster Vorsitzender wird Professor Busley, der sofort mehrere Ausschüsse einrichtet, so den ,,Ausschuß für technische Studien'', der über den Ausbau des volkswirtschaftlichen Unterrichts und die Zulassung von Ingenieuren in den öffentlichen Dienst beraten soll. Weiterhin wird der ,,Ausschuß für Energiebesteuerung''  gegründet, der die Fragen der Kohleverwertung und Besteuerung behandeln soll.




Wirklicher Geheimer Oberbaurat Dr.-Ing. E.h. Rudolf Veith

1917

Man beschäftigt sich auch schon mit der Frage des gesetzlichen Schutzes der Berufsbezeichnung ,,Ingenieur'', zumal in Österreich ein solcher gesetzlicher Schutz beschlossen wird. Auf Wunsch des Reichskanzlers legt man ein entsprechendes Gutachten vor, welches für Absolventen Technischer Hochschulen den Titel Dipl.-Ing. und für solche von höheren Maschinenbauschulen den Titel ,,Ingenieur''  vorsehen. Personen, die zwar an Technischen Hochschulen studiert, aber keinen Abschluß erhalten konnten oder solche Personen, die im Besitz ausreichender Allgemeinbildung langjährig und mit besonderen Leistungen gearbeitet haben, sollen ebenfalls das Recht erlangen, den Titel ,,Ingenieur''  zu führen.

Das Deutsche Reich kann sich zu einer allgemeinen gesetzlichen Regelung nicht entschließen, obwohl gerade staatliche Einrichtungen, z.B. das Reichsmarineamt den Marineingenieur, das Reichswirtschaftsamt, den Titel Schiffs-Ingenieur oder das Reichsministerium für öffentliche Angelegenheiten den Titel Eisenbahn-Ingenieur eingeführt hatten. Der Marinebaurat Otto Berghoff, der sich durch eine Reihe von Patenten vor dem Krieg einen Namen gemacht hatte, dann bereits 1905 aus der Marine ausgeschieden, aber im Kriege wieder reaktiviert worden war, spendet 50.000 M Kriegsanleihen als Grundsstock einer ,,Berghoff-Stiftung''. In der Satzung dieser Stiftung heißt es u.a.: ,,Zweck der Stiftung ist die Förderung von Erfindungen und Forschungen auf den Gebieten, welche die Schiffbautechnische Gesellschaft bearbeitet, vorzugsweise aber auf denen der Kriegsmarine. ... Erfinder und Forscher, welche durch Beihilfe der Berghoff-Stiftung geldliche Vorteile erzielen, mögen sich verpflichtet fühlen, auch ihrerseits zur Erhöhung der Stiftung beizutragen''.

1918

Unter aktiver Mitwirkung der Gesellschaft richtet der ,,Deutsche Verband Technisch-Wissenschaftlicher Vereine''  ein Gesuch an den preußischen Minister des Inneren, bei der Neugestaltung des ,,Preußischen Herrenhauses''  ein gewisses Präsentationsrecht zu erhalten. Die Gesellschaft berät ausführlich die Weiterentwicklung der Hochschulausbildung.

Die Auswirkungen des Krieges finden nur geringen Niederschlag in der Arbeit der Gesellschaft. Lediglich die alljährlich im November stattfindende Hauptversammlung in Berlin wird wegen der Novemberunruhen erst im März 1919 abgehalten. Der Großherzog von Oldenburg erklärt, in Folge seiner Abdankung den Ehrenvorsitz der Gesellschaft nicht mehr wahrnehmen zu können. Die Gesellschaft beschließt, den Großherzog zu überreden, dennoch weiter als Ehrenvorsitzender zu verbleiben. Diesem Wunsch folgt der Großherzog, zumal auch Kaiser Wilhelm II. Schirmherr der Gesellschaft bleibt. Die Gesellschaft beteiligt sich an einer Reihe von übergreifenden Ausschüssen, so dem ,,Normenausschuß der Deutschen Industrie'',  sowie dem ,,Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung''. Auf Veranlassung dieses Ausschusses findet unter Teilnahme des Reichskommissars für Fischversorgung eine Versammlung von Vertretern von Fischereifahrzeugwerften mit dem Ziel statt, durch Typisierung und Normung die Herstellung von Fischereifahrzeugen und Geräten zu verbilligen. Die Wünsche der beteiligten Werften gehen aber noch weiter bis hin zu einem engeren Zusammenschluß zwecks besserer Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Gewichtigste, die gesamte Industrie betreffende Frage ist indes, wie man die Kriegswirtschaft in die kommende Friedenswirtschaft überführen kann, ohne die vorhandene Industriesubstanz zu gefähren. Hieraus leitet sich die Gründung des ,,Ausschusses für wirtschaftliche Fertigung''  ab.
 

1919

Die Gesellschaft beteiligt sich auch weiterhin aktiv an der Arbeit verschiedener übergeordneter Ausschüsse wie des ,,Deutschen Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine'', dem Ausschuß zur ,,Beratung technisch-statistischer Fragen''; des Ausschußes zur ,,Förderung des technischen Büchereiwesens'', da es in Deutschland immer noch keine speziellen Technischen Büchereien gibt. Weiterhin entsteht der Ausschuß zur ,,Verbesserung der naturwissenschaftlichen Unterrichts''  sowie des Ausschußes zur ,,Vereinheitlichung des deutschen Verkehrswesens''. Der Ausschuß für ,,wirtschaftliche Fertigung'' beschäftigt sich intensiv mit allen Fragen zur Beseitigung der Kriegsfolgen. Seine umfangreichen Arbeitsergebnisse veröffentlicht der Ausschuß in regelmäßigen Mitteilungen in der VDI-Zeitung ,,Der Betrieb''. Nachdem die Gesellschaft ähnliche Gesuche wiederholt abgelehnt hat, stimmt diese nunmehr dem Vorschlag Dr. Foersters zu, der dem Verlag von Julius Springer gehörende Zeitschrift ,,Werft und Reederei''  den Zusatz ,,Organ der Schiffbautechnischen Gesellschaft'' zu gestatten. Auf Vorschlag von fünf Herren der Gesellschaft wendet sich die Gesellschaft offiziell an die Deutsche Nationalversammlung mit der Bitte, die höheren technischen Beamten den juristisch vorgebildeten Verwaltungsbeamten gleichzustellen sowie an die Spitze technischer Abteilungen Ingenieure zu stellen. Hintergrund ist, daß man nach Auflösung des Reichsmarineamtes die Marinebaubeamten und höheren Marineoffiziere zwar in die nunmehr gegründete ,,Admiralität'' überführt hatte, diese aber den juristischen Verwaltungsbeamten besoldungs- und stellenmäßig nachgestellt hatte. Dieses vom Vorsitzenden der Gesellschaft, Busley, unterzeichnete Gesuch wird am 22. November an die Nationalversammlung gerichet und schon am 18. Dezember durch diese positiv beschieden.
 



Konteradmiral Adolf von Trotha wurde 1919 Chef der Admiralität der Reichsmarine

1920

Unter Führung des Preußischen Staatsministers Dr. Schmidt erfolgt der Zusammenschluß der deutschen Wissenschaft zu der ,,Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft'',  der Vorläuferorganisation der heutigen ,,Deutschen Forschungs-Gemeinschaft''.  Im Interesse technisch-organisatorischer Arbeiten und Gemeinschaftsarbeiten hat der Vorstand des ,,Deutschen Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine'' beim Zustandekommen des ,,Kartells für freie Berufe''mitgewirkt. Die ,,Deutsche Dampfkessel-Normen-Kommission''  tagt nach siebenjähriger Pause, um eine neue Verordnung für ,,Schiffdampfkessel''  zu beraten. Die sehr detaillierten Vorschriften über das Material und den Bau von Schiffsdampfkesseln werden unter Mitarbeit des Germanischen Lloyds erlassen.

Um die durch die Inflation hervorgerufene desolate wirtschaftliche Lage der STG zu mildern, bittet der ,,Verein der Deutschen Schiffswerften'' seine Mitglieder, drei RM je Beschäftigten an die STG zu überweisen.

Darüber hinaus stiften u.a. die großen Reedereien je 5.000 RM, so daß insgesamt ein Betrag von 395.000 RM zur Deckung der Fehlbeträge aus vorangegangenen Jahren zusammenkommt. Dr. Karl Schaffran erhält die silberne Denkmünze.

1921-1930

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