1941
Wie im Jahr 1940 hat der NS Bund Deutscher Technik seinen Mitgliedervereinen
auferlegt, auf Veranstaltungen wie zu Friedenszeiten zu verzichten.
Sprechabende werden dagegen weiter abgehalten, so in Kiel, Stettin,
Danzig, Elbing, Hamburg und Berlin. Der NS Bund Deutscher Technik wünscht
eine Änderung der Eingliederung der Gesellschaft in der Fachgruppe
,,Bauwesen'' .
Es wird ein neuer Fachverband ,,Schiffahrtstechnik'' als Teil
der Fachgruppe ,,Mechanische Technik'', in dem auch der VDI sich befindet,
gegründet. Der Fachausschuss ,,Flußschiffbau und Jachtbau''
wird in Fachausschuss ,,Küsten- und Flußschiffbau''
umbenannt.
1942
Das Oberkommando der Kriegsmarine betraut die Gesellschaft mit kriegswichtigen
Forschungsaufgaben. Die Zusammensetzung des bearbeitenden Ausschusses
sowie die Mitglieder werden nicht bekannt gemacht. Der Reichsminister
Dr.-Ing. Fritz Todt, zuständig auch für den NS Bund Deutscher
Technik, verunglückt tödlich.
Professor Schnadel stellt fest: ,,Die Zusammenarbeit zwischen Gauleitung
Hamburg und der Schiffbautechnischen Gesellschaft ist besonders intensiv
und hat stets gute Früchte getragen.'' Trotz der schwierigen
Lage im Krieg können eine größere Anzahl von Sprechabenden
und Fachausschusssitzungen durchgeführt werden. Prof.
Dr.-Ing.Hermann Föttinger erhält die goldene Denkmünze
der Gesellschaft. Die Geschäftsstelle der Schiffbautechnischen
Gesellschaft wird durch Luftangriffe total zerstört. Dabei gehen
alle Unterlagen, so auch das in Vorbereitung befindliche Jahrbuch 1943,
verloren. Die Gesellschaft stellt ihre Arbeit ein.
1945
Professor Schnadel, Rektor der Technischen Hochschule Berlin, ruft
die Vertreter des VDI, VDE und Mitglieder der STG mit der Absicht zusammen,
die Arbeiten dieser Gesellschaften wieder aufzunehmen. Der kommunistische
,,Freie Deutsche Gewerkschaftsbund'' errichtet eine ,,Kammer der
Technik'', in der alle früheren technisch-wissenschaftlichen Vereine
aufgehen sollen, was schon die Machthaber des Dritten Reiches mit der
Gründung des ,, Nationalsozialistischen Bundes Deutscher Technik''
wollten.
Da die Amtszeit des Vorstandes abgelaufen war, beantragt Professor
Schnadel die Einsetzung eines Notvorstandes, um die Gesellschaft juristisch
aufrecht zu erhalten. Da Professor Schnadel von der Besatzungsmacht
in Berlin keine Unterstützung erhalten kann, sondern vielmehr von
dieser die Auflösung der Gesellschaft gefordert wird, verläßt
Prof. Schnadel Berlin, um in Hamburg einen Neubeginn zu versuchen.
1946
Dr.-Ing. Ernst Foerster gründet ohne Rücksprache mit
dem Notvorstand eine ,,Gesellschaft für Schiffahrtstechnik''. Prof. Schnadel
beantragt die Wiederzulassung der Schiffbautechnischen Gesellschaft
bei der ,,Control Commission for Germany-Shipbuilding Branche'' der
britischen Besatzungsmacht. Die Kommission verlangt daraufhin die Auflösung
beider Gesellschaften. Prof. Schnadel weicht dem Verlangen mit
der Begründung aus, daß er nicht befugt sei, die Gesellschaft
aufzulösen, zumal diese bei dem im russischen Sektor liegenden
Amtsgericht eingetragen ist. Man beschließt zunächst, die
Dinge ruhen zu lassen.
1950
Anfang des Jahres beantragen die Berliner Professoren Drawe, Horn,
Pflaum, Sass und Voigt beim Magistrat von Groß-Berlin die Wiederzulassung
der Gesellschaft nach Absprache mit Professor Schnadel. Dem Antrag wird
im März des Jahres stattgegeben. Als Satzung wird, mit geringen
Änderungen, die der Gesellschaft von 1930 verwendet.
Im April wird mit der Gesellschaft zur Förderung des Verkehrs
(GFV), der früheren ,,Gesellschaft der Freunde und Förderer
der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt'' ein Abkommen getroffen,
in den Büroräumen dieser Gesellschaft das Geschäftszimmer
der Gesellschaft einzurichten. Als Geschäftsführer der STG
wird Albert Timm, der auch als Geschäftsführer der GFV tätig
ist, ernannt.
Die konstituierende erste Sitzung der STG findet am 9. August
d. J. im ,,Curio-Haus''in Hamburg statt. Die vom VDI, Bezirksverein
Hamburg, gegründete ,,Arbeitsgemeinschaft der Schiffbau- und Schiffsmaschinenbauingenieure''
wird in die STG übernommen. Das Bundesministerium für
Verkehr beabsichtigt, sich für den geplanten ,,Beirat für
deutsche Seeschiffahrt'' der STG zu bedienen. Es werden die Fachausschüsse
,,Sicherheit der Schiffe'', ,,Antrieb und Widerstand'',
,,Konstruktion und Schweißen'', ,,Geschichte des Schiffbaues''
und ,,Schiffsmaschinenbau'', wiedergegründet. Professor Schnadel,
Professor Horn und Dr. Scholz bilden den neuen Vorstand. Eine Art
Sommertagung findet mit einer Besichtigungsfahrt in Kiel statt.
Vom 22. bis 24. November d. J. findet die erste
Nachkriegshauptversammlung in Hamburg statt. Die Festsitzung findet
im Festsaal des Hamburger Rathauses unter Anwesenheit des Ersten Bürgermeisters
der Freien und Hansestadt Hamburg, Max Brauer, statt. Die Gesellschaft
hat bereits wieder über 100 kooperative und über 600 einzelne
Mitglieder. Professor Walter Laas, Professor Gustav Bauer, Theodor Hitzler
und Dr.-Ing. Emil Goos werden zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft
ernannt. Die Gesellschaft feiert ihr 50jähriges Bestehen mit einem
Festvortrag von Professor Schnadel.
|