1961
Professor Lerbs wird Vorsitzender der Gesellschaft. Auf der Hauptversammlung
nimmt dieser auch zu den zeitpolitischen Fragen wie Stellung:
,,Zu meinem großen Bedauern ist es mir nicht möglich, unsere
Mitglieder aus Ostdeutschland zu begrüßen, die in den vergangenen
Jahren immer in größerer Zahl an unserer Tagung teilgenommen
haben.
Es ist nicht getan mit der Feststellung, daß sie in diesem Jahr
nicht kommen konnten. Wir sollten uns vielmehr bewußt sein, daß
die krisenhafte Problematik unserer Zeit uns auch auf dieser Tagung
nicht losläßt, und wir sollten auch hier nicht das menschliche
Leid und die Tragik vergessen, die sich dahinter verbergen. Die in den
Anfängen unserer europäischen Kultur unter Schmerzen und Irrtümern
geborene Idee von der Freiheit und Würde des Menschen, die Humanitas,
soll wieder einmal usurpiert werden. Das ist für uns Menschen der
westlichen Kultur weder neu noch ungewohnt.
Doch übersehen wir nicht die Mahnung, die vor allem von Toynbee
präzisiert wurde, daß man auf diese Herausforderung eine
Antwort bereit haben muß, wenn unsere Kultur die Chance haben
soll, sich zu behaupten, und zwar eine überzeugende Antwort. Das
geht jeden von uns an, und hierbei wird sich zeigen, wieviel eigentlich
hinter unserem ganzen Wohlstand steckt, und wie groß unsere Kraft
ist, ihn zu behaupten und zu verteidigen.''
Professor Schnadel wird Ehrenmitglied der Gesellschaft. Die Vorbereitungen
zur Gründung einer Dokumentationsstelle für Schiffstechnik
sind soweit abgeschlossen. Die Satzung wird dahin geändert, daß
der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats auch stimmberechtigtes
Vorstandsmitglied ist.
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Prof. Dr.-Ing. habil. Hermann Lerbs
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1962
Die Gesellschaft richtet eine Dokumentationsstelle für Schiffstechnik
ein und unterstützt diese finanziell. Die Sommertagung findet in
Antwerpen auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Schiffbau-
und Reparaturwerke Herrn H. L. Beliard statt.
Die Veith-Berghoff-Jubiläumsstiftung wird wieder errichtet, da
ihr namhafte Spenden zugeführt werden. Nach Errichtung der Berliner
Mauer wird es den Mitgliedern der Gesellschaft, die in der DDR wohnen,
unmöglich gemacht, an den Tagungen teilzunehmen. Der Vorsitzende
Professor Lerbs äußert sich hierüber anläßlich
der Hauptversammlung in Berlin unter anderem:
,,Ich möchte diese Begrüßung nicht beenden, ohne mit
dem größten Bedauern festzustellen, daß unsere Mitglieder
aus Ostdeutschland wie im vorigen Jahr keine Möglichkeit haben,
an unserer Tagung teilzunehmen. Diese Feststellung sowie die geteilte
Stadt, in der unsere Tagung stattfindet, werfen den Schatten der gefahrvollen
Zeit, in der wir zu leben gezwungen sind, auch in unsere Veranstaltung.
Vor diesem ernsten Hintergrund bewegen uns die Fragen, wann endlich
Vernunft und Moral an die Stelle treten von Drohungen und Erpressungen,
wann unseren Landsleuten drüben in der Ostzone die Freiheit gegeben
wird, daß sie sich auch außerhalb ihrer vier Wände
als Menschen fühlen können, und wann der Wunsch nach Einigkeit
und Recht und Freiheit dem ganzen deutschen Volk erfüllt wird.
Ist es müßig, angesichts der heutigen Lage so zu fragen?
Ich glaube nicht. Man kann die Welt nicht jahrelang mit dem totalen
Nichts der nuklearen Vernichtung konfrontieren, ohne daß sie darauf
reagiert. Und diese Reaktion ist eingetreten. Hoffen wir, daß
der Verzicht auf Passivität und Immobiliät, die uns lange,
viel zu lange, als der Weisheit letzter Schluß hingestellt wurden,
der Geschichte der Menschheit und damit dem Geschick unseres Volkes
neue Richtung geben wird. Wir wissen jetzt, was von uns verlangt wird,
wenn wir uns vor einer tödlichen Bedrohung behaupten wollen, womit
wir darauf zu antworten haben.
Mit einer entschlossenen und besonnenen Führung und mit einer
Öffentlichkeit, die ebenso entschlossen und besonnen hinter dieser
Führung steht. Möge das Schicksal uns beides geben, wenn wieder
die Stunde der Bewährung an uns herantritt. Sie wird nicht lange
auf sich warten lassen.''
Die Gesellschaft beschließt, auf der Hauptversammlung regelmäßig
zur Eröffnung einen Festvortrag halten zu lassen. Das Ziel dieses
Festvortrages ist, die Teilnehmer an die Einordnung der Technik in das
Gesamtgebiet des Lebens zu erinnern. Den ersten Festvortrag hält
Professor R. Stödter, bekannter Hamburger Reeder und Jurist
über das Thema ,, Seeschiffahrt und Schiffbautechnik''.
1963
Dr. Scholz, langjähriges Vorstandsmitglied der Gesellschaft
und Vorstand der Deutschen Werft wird zum Ehrenmitglied der Gesellschaft
ernannt. Professor Illies erhält die silberne Denkmünze. Der
Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Braunschweig,
Professor Kersten, hält den Festvortrag anläßlich der
Hauptversammlung. Professor Illies wird als Vorsitzender des Wissenschaftlichen
Beirats wiederberufen. Die Sommertagung findet in Lübeck-Travemünde
statt.
1964
Der Wissenschaftliche Beirat ändert seinen Namen in Technisch-Wissenschaftlicher
Beirat (TWB), um damit auch dem Charakter einer technisch-Bwissenschaftlichen
Gesellschaft, die sich an alle Ingenieure wendet, zu folgen. Prof. Lerbs
erhält die silberne Denkmünze. Die Sommertagung findet in
Göteborg statt, wo die modernste Werft der Welt, die Götaverken
Arendal, besichtigt werden kann. Auf der Hauptversammlung in Berlin
hält Prof. Dr. Dr. phil. nat. h.c. Hans
Schimank einen Festvortrag ,,Technikgeschichte als Forschungsaufgabe
und als Bildungsmittel''.
1965
Auf Einladung der ,,Institution of Engineers and Shipbuilders of Scotland''
und des ,,Institute of Marine Engineers'' findet in Glasgow die Sommertagung
statt. Die Fachausschüsse ,,Schiffsmaschinen'' und ,, Schiffsvibrationen''veranstalten
einen Sprechabend im Winterhuder Fährhaus mit über 500 Teilnehmern.
Insgesamt ist die Tätigkeit der Gesellschaft so rege, daß
das Jahrbuch mit über 800 Seiten die Möglichkeiten der Gesellschaft
zu überschreiten droht. Auf der Hauptversammlung sind vier Herren
aus der Sowietunion eingeladen, um Vorträge über die Antriebsanlage
des Atom-Eisbrechers zu halten. Trotz Zusage werden ohne Begründung
die Vorträge von sowjetischer Seite kurzfristig abgesagt. Die Gesellschaft
beschließt eine Änderung der Satzung, nach der der Geschäftsführer
zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied ernannt werden kann.
Damit soll eine Gleichstellung des Geschäftsführers, wie es
in anderen Vereinen üblich ist, erreicht werden. Der eigentliche
Grund ist die Person des Geschäftsführers, der durch besonders
aufopfernde Tätigkeit der Gesellschaft dient.
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1966
Es findet die Sommertagung unter Mitwirkung des '' Institute of Marine
Engineers'', der ,, North East Coast Institution of Engineers and Shipbuilders''
sowie der ,,Royal Institution of Naval Architects'' statt.
Die Veranstaltungen finden im Vortragsbau des Deutschen Museums statt,
wo die Teilnehmer durch den geschäftsführenden Vorstand Herrn
von Miller, einem Sohn des Gründers Oskar von Miller, begrüßt
werden.
Da das Jahrbuch des vergangenen Jahres die finanziellen Möglichkeiten
der Gesellschaft überschritten hatte, muß in Zukunft der
Umfang der Beiträge begrenzt werden. Prof. Lerbs kündigt
aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt
als Vorsitzender der Gesellschaft für Ende 1966 an. Professor Illies
wird als Nachfolger gewählt. Die Finanzierung der Dokumentationsstelle
durch das Institut für Dokumentationswesen in Frankfurt wird eingestellt,
was die Gesellschaft vor erhebliche Probleme stellt. Prof. Schuster,
der Leiter der Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau in Berlin,
erhält die silberne Denkmünze. Prof. Lerbs wird zum Ehrenmitglied
der Gesellschaft ernannt.
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Das Deutsche Museum in München im Zustand vor dem Ersten Weltkrieg
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1967
Prof. Weinblum erhält die goldene Denkmünze der Gesellschaft.
Der Vorsitzende Prof. Illies berichtet auf der Hauptversammlung,
daß auf höhere Weisung die Mitglieder, die ihren Wohnsitz
in der DDR haben, die Hauptversammlung nicht besuchen dürfen.
Der Germanische Lloyd stiftet der Gesellschaft anläßlich
seines hundertjährigen Bestehens 20.000 DM, die als Preis
für eine Arbeit im Gebiet der Schiffssicherheit vergeben werden
sollen.
Die Gesellschaft schließt einen Vertrag mit der ,,Gesellschaft
der Freunde und Förderer der Hamburgischen Schiffbauversuchsanstalt''
(GFF) des Inhalts, daß die STG als Fachgutachter bei von der GFF
geförderten Forschungsvorhaben wirken soll. Es wird ein Fachausschuss
,,Technisch-Wissenschaftliche Information'' gegründet. Ein Satzungsausschuß
unter der Leitung von Prof. Wendel schlägt der Gesellschaft
vor, die Unterscheidung in Fachmitglieder und gewöhnliche Mitglieder
aufzugeben und allen an der Schiffstechnik Interessierten die gleiche
Form der Mitgliedschaft anzubieten.
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Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Kurt Illies
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1968
Die Gesellschaft hält ihre Sommertagung in Luzern in der Schweiz
ab, wo u.a. die Firmen Gr. Sulzer AG, MAAG-Zahnräder, Escher
Wyss und Supramar besichtigt werden können. Die Hauptversammlung
in Berlin wird von dem regierenden Bürgermeister Schütz eröffnet.
Schütz weist auf die besondere schiffbauliche Geschichte Berlins
hin und auf die besonderen Leistungen Prof. Horns. Durch einen
Übersichtsvortrag angeregt, beginnt sich die Gesellschaft mit Meerestechnik
zu beschäftigen. Prof. Pflaum, Berlin, erhält die silberne
Denkmünze der Gesellschaft. Prof. Lerbs verstirbt nach kurzer
Krankheit. Der Name der Gesellschaft ,,Freunde und Förderer der
Hamburgischen Schiffbauversuchsanstalt'' wird in ,,Gesellschaft der
Freunde und Förderer der schiffstechnischen Entwicklung'' umbenannt.
1969
Die Gesellschaft begeht ihr siebzigjähriges Bestehen. Professor
Illies weist in seiner Eröffnungsrede auf die Studentenunruhen
hin, für die er, abgesehen von den äußeren Formen, Verständnis
zeigt. Weiterhin äußert sich Professor Illies allgemein zu
den Ingenieurwissenschaften. Er plädiert für ein Zusammenwachsen
von Natur, Ingenieur- und Geisteswissenschaften. Sein sehr engagiertes
Eintreten für wissenschaftliches Betrachten der Dinge und die besondere
Betonung, daß die Schiffbautechnische Gesellschaft zuförderst
eine wissenschaftliche Gesellschaft sein soll, erhöht zwar ihr
Ansehen als wissenschaftliches Organ, baut aber auch gewisse Schwellenängste
bei vielen Praktikern auf, die sich in der Gesellschaft nicht ausreichend
vertreten fühlen. Gleich drei Mitglieder, Professor Amtsberg, Professor
Hansen und Dr. Waas, erhalten die silberne Denkmünze der Gesellschaft.
Aus dem vom Germanischen Lloyd im Jahr 1967 gespendeten Geldbetrag von
DM 20.000,- werden G. Woisin, P. Boese und J. Ritterhoff
ausgezeichnet. Die Werften, insbesondere die Großwerften, sind
bis weit in die siebziger Jahre voll beschäftigt, so daß
viele ausländische Arbeitnehmer Beschäftigung finden. Die
Hauptversammlung der Gesellschaft wird von mehr als 2000 Teilnehmern
besucht, so daß zum Gesellschaftsabend Absagen erteilt werden
müssen.
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1970
Professor Illies berichtet von den offensichtlich staatlich gelenkten
Austritten der Mitglieder aus der DDR. Seine diesbezügliche schriftliche
Anfrage bei offiziellen Stellen der DDR bleibt unbeantwortet. Damit
werden auch die letzten technisch-wissenschaftlichen Bindungen zu den
Fachkollegen in der DDR abgebrochen. Der regierende Bürgermeister
von Berlin begrüßt die Teilnehmer der Hauptversammlung in
Berlin. Die Zeitschrift ,,Schiff &s; Hafen'' wird den Mitgliedern
kostenlos zur Verfügung gestellt. Professor Wendel erhält
die silberne Denkmünze der Gesellschaft. Anstatt von sog. Sprechabenden
werden ,,erweiterte Fachausschuss-Sitzungen'' mit großem
Erfolg abgehalten. Nach einer lebhaften Diskussion zwischen Vertretern
der Industrie, des Lehrkörpers der Hochschulen und der Studentenschaft
wird ein Fachausschuss gegründet, der sich mit Fragen der
Ausbildung und Fortbildung in technischen Berufen sowohl für Diplomingenieure
als auch für Fachschulingenieure beschäftigen soll. Die Dokumentationsstelle
der Gesellschaft erwirtschaftet wiederum erhebliche Verluste. Von den
Professoren Großmann, Metzmeier und Strohbusch wird ein Antrag
eingereicht, einen Fachausschuss ,,Schiffsfertigung'' zu errichten,
zumal von Seiten der Industrie dieses befürwortet wird. Man beschließt
zunächst eine Arbeitsgruppe im Fachausschuss ,,Konstruktion
und Festigkeit der Schiffe'' einzurichten.
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