Dr.-Ing. Ulrich Malchow, res maritimae UG, Hamburg
In jüngster Vergangenheit haben speziell sehr großen Containerschiffe Tausende von Container auf See verloren. Dass die konventionelle Laschmethode offensichtlich an ihre Grenzen gestoßen ist und mit dem enormen Wachstum der Containerschiffsgrößen nicht Schritt gehalten hat, ist mittlerweile eine weit verbreitete Einsicht. Die große Breite dieser Megaschiffe führt zu großen metazentrischen Höhen (GM), was zur Folge hat, dass die Schiffe sehr steif sind und hohe Rollbeschleunigungen aufweisen, die hohe Belastungen im Lasch- und Sicherungsgeschirr der Container bewirken - je höher die Stauposition, desto stärker. Gerade für die Mega-Schiffe werden daher dringend neue Laschmethoden benötigt. Die sicherste Lösung zur Sicherung der Deckscontainer wäre die Verwendung von Cellguides - wie in den Laderäumen. Zellführungen oberhalb des Hauptdecks bedingen bisher jedoch den Verzicht auf Lukendeckel, was sich jedoch in der großen Fahrt nicht durchgesetzt hat. Es soll hier ein Konzept vorgestellt werden, dass es ermöglicht, auch bei Schiffen mit Standard-Ponton-Lukendeckeln Zellführungen an Deck zu installieren: Anstelle der üblichen Laschbrücken werden neuartige DeckCellguides zwischen den Luken installiert, die eine Führung erst ab dem oberen Eckbeschlag der zweiten Containerlage auf den Lukendeckeln gewährleisten. Die erste Lage wird auf dem Lukendeckel gesichert. Der schlanke Sockel der DeckCellguides, der die gleiche Grundfläche wie die der Laschbrücken aufweist, erlaubt es, die herkömmlichen Lukendeckel mit den Containerbrücken zum Öffnen etwas anzuheben und sodann horizontal zu verfahren. Auch die Container von/zu den Laderäumen können die Abkürzung direkt über das Lukensüll nehmen, so dass sie nicht über die gesamte Höhe der DeckCellguides gehoben werden müssen. Für die in den DeckCellguides stehenden Container gilt: Die etwas längeren Bahnkurven werden durch kürzere Positionierungszeiten kompensiert, da der Trichter der DeckCellguides viel höher liegt, d.h. näher am Kranführer und mit weniger Pendelbewegungen. Die Installation von DeckCellguides ergibt sogar einen interessanten Business Case, der auf der Einsparung der kostspieligen Lascharbeiten und des dazugehörigen Materials sowie eingesparter Liegezeit beruht. Verkürzt sich durch die wegfallenden Lascharbeiten die Liegezeit vor dem Löschbeginn und nach dem Ladeschluss nur um jeweils eine halbe Stunde pro Hafen, wird auf einer Europa-Fernost-Rundreise ein voller Tag auf See gewonnen, mit ent¬sprechender Möglichkeit der Fahrtreduzierung und Treibstoffersparnis. Mit DeckCellguides können auch schwere Container in höheren Positionen gestaut werden, was die notorisch steifen Großschiffe weicher macht. Die Stauplanung wird dadurch wesentlich einfacher. 20ft-Container werden auf die gleiche Weise wie in den Laderäumen gefahren. Der Wegfall der Lascharbeiten eleminiert auch eine große Unfallquelle. DeckCellguides ermöglichen ferner eine wesentlich bessere Zugänglichkeit zu den Deckscontainern. Dies ist nicht nur zur Inspektion der Kühlcontainer von Vorteil, sondern bei der Brandbekämpfung essentiell! Aktuell hat die Besatzung praktisch keine Chance, ein Feuer erfolgreich zu bekämpfen, wenn es in den oberen Lagen an Deck ausbricht, weil der Zugang und eine wirksame Feuerlöschausrüstung in der Nähe fehlen. DeckCellguides würden die Installation fester und effektiver Brandbekämpfungs-vorrichtungen auch an hoch gelegenen Positionen ermöglichen. Dies wird von den Transport-versicherern schon seit Jahren gefordert. Es sind auch Mischformen möglich, bei denen nur die unteren Lagen an Deck durch DeckCellguides gesichert werden, während die oberen Lagen weiterhin konventionell gelascht werden. Eine solche Kombination würde auch weiterhin die Stauung von 45ft-Containern ermöglichen. Die Nachrüstung bestehender Schiffe wäre kein Problem, da der "Footprint" der DeckCellguides nicht größer ist als der der üblichen Laschbrücken.