Daniel Sommerstedt, Lutz Mertschat, Anschütz GmbH
Unbemannte Seefahrzeuge (USV) entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Fähigkeitsträger moderner Seestreitkräfte. Sie übernehmen Aufgaben in den Bereichen Patrouille, ISR, Maritime Surveillance und Schutz kritischer Infrastruktur und müssen dabei sowohl im regulären Seeverkehr als auch unter hybriden und hochintensiven Einsatzbedingungen sicher und zuverlässig operieren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die autonome Navigation als Voraussetzung für Missionsfähigkeit, Skalierbarkeit und Zulassungsfähigkeit.
Der Vortrag beleuchtet autonome Navigation und Missionsausführung aus einer systemtechnischen und praxisnahen Perspektive. Im Fokus stehen plattformunabhängige Konzepte und Ergebnisse aus kontinuierlichen Seeerprobungen seit 2023, die auf unterschiedlichen bemannten und unbemannten Plattformen durchgeführt wurden. Dazu zählen unter anderem hochdynamische USVs wie die uHSI (32 m, bis 55 kn), kleinere Einheiten wie TCB15 und AMC 12/16 sowie größere Schiffsplattformen wie Stollergrund. Die Erprobungen erfolgten regelmäßig in überwachten und automatisierten Betriebsarten, unter realen Verkehrsbedingungen in engen und frequentierten Gewässern wie der Kieler Förde und der Ostsee.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Frage, unter welchen technischen und architektonischen Voraussetzungen navigatorische Autonomie zulassungsfähig und damit dauerhaft einsatzfähig ist. Es wird gezeigt, dass autonome Navigationsfunktionen nur dann sicher in den Seeverkehr integriert werden können, wenn sie auf etablierten, zertifizierten integrierten Navigationssystemen aufsetzen und nicht als isolierte Zusatzfunktion implementiert werden. Erfahrungen aus der Praxis verdeutlichen die Bedeutung einer engen Kopplung von Navigation, Sensorfusion und Motion Control – insbesondere bei hochdynamischen Plattformen.
Darüber hinaus wird der Ansatz einer softwaredefinierten, modularen Systemarchitektur diskutiert, die eine Trennung von Hardware und missionsspezifischer Funktionalität erlaubt. Diese Architektur hat sich in den vergangenen Jahren als wesentliche Voraussetzung erwiesen, um neue Sensorik, autonome Funktionen und missionsabhängige Erweiterungen effizient integrieren und weiterentwickeln zu können. Ergänzt wird dies durch Erkenntnisse zur Rolle des Menschen im System, insbesondere im Zusammenspiel von überwachten, fernbedienten und autonomen Betriebsarten.
Der Vortrag schließt mit einer Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse für aktuelle und zukünftige Marinevorhaben und zeigt auf, welche technischen Lehren sich aus der bisherigen OPEX für die Weiterentwicklung und Einführung autonomer maritimer Systeme ableiten lassen.